Durch die Friedensverträge des „Westfälischen Friedens“ in Münster am 15. Oktober 1648 und in Osnabrück am 24. Oktober 1648 wurde der Dreißigjährige Krieg offiziell beendet. Der kurmainzische Staat erhielt dadurch das Recht, ein stehendes Heer zu unterhalten. Auch andere Reichsstände sowie Kurstaaten begannen in der Folge mit dem Aufbau eigener bewaffneter Strukturen. (Bildquelle: deutschlandfunk.de)


Das kurmainzische Militär lässt sich nach heutigem Forschungsstand zeitlich nicht exakt datieren. Fest steht jedoch, dass Erzbischof Johann Schweikhard von Kronberg (* 15. Juli 1553 in Kronberg im Taunus; † 17. September 1626 in Aschaffenburg) die kurmainzische Armee aufstellte.
(Bildquelle: Daniel F. Dahmen)
Ihre endgültige organisatorische Form erhielt das Militär unter Erzbischof Johann Philipp von Schönborn (* 6. August 1605 in Laubuseschbach, ehemals Burg Eschbach im Hintertaunus; † 12. Februar 1673 in Würzburg). Der Kurfürst sorgte unter anderem für den Ausbau der Mainzer Festung und gründete eine Bürgermiliz, die dem Festungskommandanten der Stadt Mainz unterstand. (Bildquelle: Daniel F. Dahmen)


Am 7. November 1679 wurde Anselm Franz von Ingelheim (* 16. September 1634 in Köln; † 30. März 1695 in Aschaffenburg) Fürstbischof von Mainz und damit Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Innenpolitisch versuchte er, seinen Kurstaat durch zahlreiche und vielseitige Verordnungen zu regieren. (Bildquelle: Daniel F. Dahmen)
Im Pfälzischer Erbfolgekrieg (1688–1697) stand die kurmainzische Armee mit etwa 700 bis 800 Mann der französischen Armee, dem Régiment du Roi mit rund 20.000 Mann, unter der Führung des Colonel Général des Dragons, Louis-François de Boufflers, am 15. Oktober 1688 an der Mainzer Festung gegenüber. (Bildquelle: Daniel F. Dahmen)

Eine Gegenwehr hätte unter diesen Umständen keinen Bestand haben können, sodass am 17. Oktober 1688 die Übergabe der Stadt Mainz vereinbart wurde. Während der Zeit der Mainzer Besetzung wurden zahlreiche kurmainzische Soldaten gezwungen, in die französische Armee einzutreten.
Die Mainzer Festung wurde schließlich von Truppen der Augsburger Allianz in der Zeit von Juni bis September 1689 belagert und zurückerobert.
Nach dem Ende der Belagerung versuchte der Kurfürst, die Truppenstärke zu erhöhen, um für einen möglichen erneuten Angriff der Franzosen gewappnet zu sein. 1691 zählte man eine Truppenstärke von etwa 3.176 Mann.
Im Jahr 1692 beliefen sich die Besoldungskosten auf rund 1,5 Millionen Gulden. Diese Ausgaben empfand der kurmainzische Staat als zu hoch, zumal parallel weiterhin erhebliche Kosten für den Ausbau der Festung anfielen. Daher entschied man sich, die kurmainzischen Truppen erneut zu reduzieren.

Unter Kurfürst Lothar Franz von Schönborn (* 4. Oktober 1655 in Steinheim am Main; † 30. Januar 1729 in Mainz) umfasste das Militär im Jahr 1695 noch etwa 2.400 Mann. (Bildquelle: Daniel F. Dahmen)
1697 wurde der Pfälzischer Erbfolgekrieg durch das Vertragswerk „Friedens von Rijswijk“ beendet. In der Folge wurde die kurmainzische Armee so stark reduziert, dass dies nahezu einer Auflösung gleichkam.
Erst nach dem Ende des Spanischer Erbfolgekrieg im Jahr 1713 durch die Friedensschlüsse „Friede von Utrecht“ wurde die kurmainzische Armee nicht weiter verringert.
Ab 1707 bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts wurden den Regimentern innerhalb des Kurfürstentums feste Anwerbebezirke zugeteilt, die sich im Laufe der wechselnden Kurfürsten veränderten. Das stehende Heer entwickelte sich dadurch zu einem Söldnerheer.
Erst unter Erzbischof Johann Friedrich Karl von Ostein (* 6. Juli 1689; † 4. Juni 1763 in Mainz) wurde ein Enrollierungssystem (Wehrdienst) eingeführt, das dem preußischen Kantonsystem ähnelte. Ein wesentlicher Unterschied zum preußischen System bestand jedoch darin, dass die Dienstzeit in Mainz nicht zeitlich unbegrenzt war, sondern auf vier Jahre begrenzt wurde. Zudem verzichtete man unter anderem auf das preußische Beurlaubungssystem. (Bildquelle: Daniel F. Dahmen)

In den 1740er Jahren bestand die Armee nahezu zu 100 Prozent aus Inländern der kurmainzischen Territorien. In Mainz standen drei Infanterieregimenter mit jeweils sieben Kompanien. Ein Regiment wies dabei eine Sollstärke von etwa 550 Mann auf.
Zudem verfügte man über 120 Artilleristen sowie eine Kreiskompanie des Oberrheinischen Reichskreises. In Erfurt waren 30 Artilleristen sowie ein viertes Infanterieregiment stationiert.
Hinzu kamen ein Husarenkorps, ein Landjägerkorps sowie ein Ingenieurkorps, das als Vorläufer der heutigen Pioniertruppe gilt. Repräsentative Aufgaben übernahm die kurfürstliche Leibwache mit einer Stärke von etwa 50 bis 100 Mann.
Vom Großen Generalstab mit insgesamt 164 Offizieren war der überwiegende Teil beurlaubt, jedoch jederzeit abrufbereit. Auch etwa ein Drittel der kurmainzischen Truppen in den Garnisonen befand sich in Friedenszeiten im Urlaub.
Traditionell diente die kurmainzische Armee in Mainz der Versorgung junger Adeliger mit Offiziersstellen, weshalb der Anteil des Offizierskorps am Militärhaushalt besonders hoch war. Der Mainzer Adel besetzte dabei rund die Hälfte der Offiziersstellen.
Der kurmainzische Generalstab setzte sich bei einem Heer in Brigadegröße zeitweise aus einem General en chef, der zugleich militärischer Gouverneur der Stadt und Festung Mainz war, fünf Feldmarschall-Leutnants sowie sieben Generalfeldwachtmeistern zusammen und galt damit als deutlich überdimensioniert.

Im Siebenjähriger Krieg (1756–1763) wurde im Rahmen der Reichsarmee ein Infanterie-Regiment Kurmainz mit 16 Füsilier-Kompanien (4. Bataillone), 2 Grenadier-Kompanien und acht 3-Pfünder Bataillonsgeschützen am Krieg beteiligt. Die Truppe stand 1757 zunächst unter Feldmarschall-Leutnant Freiherr von Wildenstein, dann von 1757- 1763 unter Feldmarschall-Leutnant Philipp Franz Freiherr von Gudenus (1710-1783) unter dem Kommando. Das Regiment nahm an folgenden Kampfhandlungen teil: Schlacht bei Roßbach, Verteidigung von Erfurt, Gefecht von Maxen, Verteidigung von Dresden und wurde in Sachsen fest eingesetzt. (Bildquelle: Daniel F. Dahmen)
Zusätzlich wurde gegen Unterstützungsleistungen das Infanterieregiment von Lamberg mit 18 Kompanien auf kaiserlichem Fuß (zunächst 2.400 Mann, später 3.400 Mann) an Österreich ausgeliehen, wo es unter dem Kommando des Grafen Lamberg stand. Dieses Regiment war an folgenden Kampfereignisse beteiligt: Schlacht bei Prag, Schlacht von Moys, Schlacht vor Breslau (1 Btl.), Belagerung von Schweidnitz, Schlacht von Hochkirch und weitere Feldzüge in Sachsen.
General Charles de Rohan, prince de Soubise (* 16. Juli 1715 in Paris; † Juli 1787) bewertete das kurmainzische Regiment bei der Schlacht bei Roßbach als leistungsfähig. Im weiteren Verlauf des Krieges nahm die Qualität des Regiments jedoch ab, da Verluste zunehmend durch neu angeworbene Rekruten ersetzt wurden, die nicht mehr die Zuverlässigkeit der ursprünglichen kurmainzischen Haustruppen besaßen. (Bildquelle: Daniel F. Dahmen)

Während des Siebenjährigen Krieges betrug die Garnisonsstärke im Kurstaat Mainz lediglich etwa 1.200 Mann.

Nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges entschied Erzbischof Emmerich Joseph Freiherr von Breidenbach zu Bürresheim (* 12. November 1707 in Koblenz; † 11. Juni 1774 in Mainz), die Truppenstärke beizubehalten. Infolgedessen wurden die vier Regimenter, die am Krieg teilgenommen hatten, wieder zu den vier ursprünglichen Regimentern zusammengeführt. (Bildquelle: Daniel F. Dahmen)
Die Heeresreform von 1773 im Kurfürstentum Mainz war Teil der aufgeklärten Reformpolitik unter dem Kurfürst. Ziel war es, das kurmainzische Militär moderner, effizienter und kostengünstiger zu gestalten.
Im Zuge der kurmainzischen Heeresreform wurden die bestehenden Truppen neu geordnet und in klar strukturierte Regimenter eingeteilt. Gleichzeitig legte man großen Wert auf eine verbesserte Ausbildung und strengere Disziplin, wobei sich Kurmainz an bewährten militärischen Vorbildern aus Preußen und Österreich orientierte.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Vereinheitlichung von Uniformen und Ausrüstung, um sowohl Ordnung innerhalb der Truppe als auch eine stärkere Identifikation der Soldaten mit ihrem Dienstherrn zu erreichen. Da das Kurfürstentum Mainz keine expansive Militärmacht anstrebte, zielte die Reform zudem auf eine Begrenzung der Militärkosten ab. Insgesamt wurde das Heer stärker auf die Landesverteidigung und die Sicherung des Territoriums ausgerichtet, während offensive Kriegsführung bewusst in den Hintergrund trat.
Die Reform stärkte die Professionalität des kurmainzischen Heeres, ohne dessen begrenzte militärische Bedeutung im Reich grundlegend zu verändern. Sie gilt als Ausdruck des aufgeklärten Absolutismus und als Versuch, Militär, Verwaltung und Finanzen besser miteinander zu verzahnen.
Mainz kam durch den Mainzer Knotenaufstand (30. August bis 3. September 1790) sowie durch die Französische Revolution (1789-1799), verbunden mit dem Ersten Koalitionskrieg (1792-1797), nicht mehr zur Ruhe.
In den Friedensjahren beschränkten sich die Aufgaben des kurmainzischen Militärs im Wesentlichen darauf, bei Hoffesten Aufmärsche zu inszenieren. Die Truppe war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr kriegs- und kampfbereit. Dafür fehlten sowohl regelmäßige Übungen als auch die notwendige Disziplin innerhalb der Einheiten.
Hauptursächlich hierfür war, dass viele altgediente Soldaten nicht mehr dienten, während die jungen Soldaten und Offiziere über keinerlei Kampferfahrung verfügten.
Auf österreichisches Verlangen wurde die gesamte Garnison der Festung Mainz zur Bewachung österreichischer Magazine nach Speyer kommandiert. Dort wurden sie am 30. September 1792 von der französischen Revolutionsarmee unter Général de division Adam-Philippe de Custine (* 4. Februar 1740 in Metz; † 28. August 1793 in Paris) gefangen genommen oder in den Rhein gedrängt. Zahlreiche Soldaten konnten nicht schwimmen und ertranken dabei. (Bildquelle: Daniel F. Dahmen)


Im Oktober 1792, kurz bevor die französischen Truppen Mainz erreichten, floh der Kurfürst Erzbischof Friedrich Karl Joseph von Erthal (* 3. Januar 1719 in Mainz; † 25. Juli 1802 in Aschaffenburg) sowie das Mainzer Domkapitel nach Aschaffenburg. Als die französischen Truppen in Mainz einrückten, versuchte man noch, die Mainzer Festung mit improvisierten Bürgerwehren sowie mit etwa 1.200 kurmainzischen Soldaten zu halten. (Bildquelle: Daniel F. Dahmen)
Nach kurzer Zeit kapitulierte jedoch die wichtigste Reichsfestung Mainz und folgte den Aufforderungen des französischen Generals.
Nach einer im „Frieden von Campo Formio“ von 1797 vereinbarten Zusatzkonvention sollten die linksrheinischen Gebiete in einer späteren Vereinbarung an Frankreich abgetreten werden. Die faktische Eingliederung erfolgte bereits 1798, die völkerrechtlich verbindliche Abtretung jedoch erst 1801 im „Frieden von Lunéville“. (Bildquelle: wikipedia.de)

Das Ende des kurfürstlichen Staates bedeutete zugleich das Ende der kurmainzischen Armee. Nach dem Abzug der französischen Besatzung fiel Mainz im Jahr 1816 an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt. Mainz wurde durch preußische und österreichische Truppen besetzt.
Text geschrieben von Daniel F. Dahmen (Leiter des Arbeitskreises)
Hilfsmitteln zur Geschichtsrecherche im Arbeitskreis:
Lektüre:
-Kurmainzer Militär und Landsturm von Christian Lübcke / ISBN 978-3-944988-05-4
-Die kurmainzische Heeresreform von 1773 von Sascha Weber
Internet: Wikipedia, Deutschlandfunk, Youtube, Deutsche Digitale Bibliothek
Einrichtungen: Stadthistorisches Museum Mainz, Bistum Mainz
