Gemeinsames Gedenken zum Volkstrauertag in Frankfurt-Eckenheim

Der Heimatverein Eckenheim e.V. fragte bei uns an, ob wir in diesem Jahr gemeinsam mit der Reservistenkameradschaft Gotha anlässlich des Volkstrauertag eine Abordnung zur Kranzniederlegung stellen könnten. 80 Jahre nach dem Terror des Dritten Reiches war zudem der Wunsch nach einer Mahnrede geäußert worden. Nach kurzer Überlegung sagten wir selbstverständlich zu.

Um 14:00 Uhr trafen sich der Heimatverein-Eckenheim e.V., beide Reservistenkameradschaften, unser Förderverein sowie zahlreiche Bürgerinnen und Bürger aus Frankfurt-Eckenheim am Ehrenmal auf dem alten Friedhof in Eckenheim. Nach einer ergreifenden Rede des 1. Vorsitzenden des Heimatvereins, W. Pfeiffer, hielt aus der Mitte der Eckenheimer Bürgerschaft und als Reservist D. Dahmen, 1. Vorsitzender unseres Fördervereins, die Mahnrede.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Eckenheimerinnen und Eckenheimer,
wir versammeln uns heute, 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, in stillem Gedenken – in Trauer, aber auch in Verantwortung.
Wir gedenken der Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege, der unzähligen Männer, Frauen und Kinder, die in den Jahren von Krieg, Terror und Vertreibung ihr Leben verloren. Wir erinnern an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft – an die verfolgten und ermordeten Jüdinnen und Juden, an politische Gegner, an Menschen anderer Herkunft oder Glaube- und Lebensweise. Ihr Leid mahnt uns bis heute.
Der Volkstrauertag ist kein Tag bloßer Rückschau. Er ist ein Tag der Mahnung – eine Mahnung, dass Freiheit und Menschlichkeit niemals selbstverständlich sind.
Und doch, meine Damen und Herren, müssen wir heute erkennen: Die Menschheit hat aus der Geschichte nicht genug gelernt.
Noch immer erleben wir Kriege und Unruhen – in Europa, im Nahen Osten, in Afrika, in Südamerika und in Asien. Noch immer werden Menschen wegen ihrer Herkunft, Religion oder Überzeugung verfolgt, vertrieben und getötet. Noch immer wird Gewalt als Mittel der Politik und Religion benutzt.
Auch wir in Deutschland müssen erneut erkennen: Frieden ist kein dauerhafter Zustand, sondern ein zerbrechliches Gut. Er braucht Schutz, Verantwortung – und die Bereitschaft, ihn zu verteidigen.
In dieser Verantwortung steht erneut die inzwischen 70-jährige Bundeswehr. Unsere Soldatinnen und Soldaten dienen mit Ehrfurcht der Sicherheit unseres Landes und dem Schutz unserer demokratischen Grundordnung. In einer zunehmend unsicheren Welt ist eine einsatzbereite, moderne und wehrfähige Bundeswehr kein Ausdruck von Militarismus, sondern Ausdruck von Vernunft.
Eine glaubwürdige Verteidigungs- und Wehrfähigkeit ist die Voraussetzung für Frieden und Stabilität. Nur wer bereit ist, Freiheit zu schützen, kann sie auf Dauer bewahren.
Der Volkstrauertag erinnert uns an die Opfer der Vergangenheit – aber er ruft uns auch dazu auf, der Gegenwart und Zukunft mit Verantwortung zu begegnen. Er fordert uns auf, Extremismus, Hass und Intoleranz entschieden entgegenzutreten – und für die Werte einzustehen, auf denen unser demokratisches Gemeinwesen ruht.
Möge unser Gedenken heute nicht nur der Trauer dienen, sondern auch der Besinnung. Möge es uns verpflichten, für Frieden, Freiheit und Menschlichkeit einzutreten – jeden Tag, mit Mut, mit Haltung und mit Herz.
Denn Erinnerung allein genügt nicht. Sie muss uns leiten – im Denken, im Reden und im Handeln.
Nie wieder darf geschehen, was damals geschah. Nie wieder – ist jetzt.
Ich danke Ihnen.

Die Mahnrede wurde von allen Anwesenden sehr aufmerksam verfolgt. Im Anschluss an den militärischen Akt der Kranzniederlegung wurden wir zu Kaffee und Kuchen in das Restaurant „Haus Ronneburg“ eingeladen.

Diese Einladung nahmen wir selbstverständlich gerne an. In den Gesprächen kamen die Kameraden und das Thema Dienst in der Bundeswehr häufig zur Sprache mit den Bürgerinnen und Bürgern. Unter anderem waren Aussagen zu hören wie:
„Wie selten man heute noch Soldaten in Uniform in der Öffentlichkeit sieht“,
„Ich habe früher auch einmal gedient“,
„Meine (Groß-)Eltern haben ebenfalls im Zweiten Weltkrieg gedient“ oder
„Ich habe Verwandte, deren Namen auf der Tafel am Ehrenmal stehen“.

Viele Gedanken und Eindrücke, die wir mit tiefer Ehrfurcht aufgenommen haben, begleiteten uns an diesem Tag auf beiden Seite. Bei bestem Sonnenschein klang das gemeinsame Gedenktag schließlich aus. Gegen 16:00 Uhr traten nach und nach alle Beteiligten, still und nachdenklich, die Heimreise an.